Unter der Leitung von Renata Schmidtzkunz diskutierten gestern/heute Nacht zum Thema "Von der Finanzkrise zur Weltkrise?":
- Jean Ziegler, Globalisierungskritiker, Soziologe und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung
- Albrecht Müller, Nationalökonom und Autor
- Margit Appel, Politologin, Katholische Sozialakademie Österreichs
- Klaus Werner-Lobo, Buchautor „Schwarzbuch Markenfirmen“, „Uns gehört die Welt“
- Peter Altmiks, Ökonom vom Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung
- Erhard Fürst, Industriellenvereinigung
Wie man bereits unschwer an der Gästeliste dieses Club 2 erkennen kann, lautete das Match die ersten Vier gegen die letzten Zwei, die globalisierungskritischen und teilweise antikapitalistischen Kräfte der Vernunft gegen verblendete neoliberale Ideologen, die noch immer mit großer Vehemenz das System der kapitalistischen Marktwirtschaft verteidigen. Daraus wurde auch gar kein Hehl gemacht. Die Gräben schienen zu tief, als dass es zwischen diesen Parteien zu irgendwelchen grundsätzlichen Einigkeiten gekommen wäre – mit der Ausnahme, dass Klaus Werner-Lobo auf Christian Felbers oberste Promisse aus „Neue Werte für die Wirtschaft“ zurückgriff: Die Wirtschaft habe den Menschen zu dienen – und nicht umgekehrt – und ihnen größtmöglichen Wohlstand zu bringen. Da konnte auch Erhard Fürst nur zustimmen – alles andere wäre einer endgültigen Kapitulation fern jeder ethischen Werte gleichgekommen. Noch ärger als Fürst war naturgemäß der liberal-libertäre Ökonom Altmiks drauf, der sich vom marktwirtschaftlich-kapitalistischen System als bestes aller möglichen Systeme vollkommen überzeugt gab, die Schuld der Finanzkrise nur einigen „schwarzen Schafen“ und der versagenden Regulierung des Staates und der Ratingagenturen zuschob. Wieder kam er mit der Mär, der ungehemmte Freihandel bringe Staaten den größten Wohlstand daher, ohne natürlich zu differenzieren, wem dieser Wohlstand zu gute kommt – einigen wenigen, nicht aber der großen Mehrheit. Folglich war dieser neoliberale Hardliner auch der Meinung, mit ein paar Eingriffen in den Finanzsektor sei es getan. Margit Appel merkte vorzüglicherweise an, dass der G20-Weltfinanzgipfel überhaupt erst möglich gemacht wurde, um "den Kapitalismus vor sich selbst zu retten".
Dazu braucht es "leider" Gevatter Staat, der auch plötzlich in der Lage ist, mit vielen Milliarden einzuspringen, ohne großartige Auflagen zu stellen - für Gesundheit, Bildung etc. ist natürlich kein Zaster da...
Die beiden Stars der „alternativen Globalisierung“ Jean Ziegler und Werner-Lobo übten allgemeine Kritik an unserem kranken kapitalistischen System (Welthunger, Verteilung des Wohlstands), wie bei den beiden üblich. Beide waren wirklich ausgezeichnet, nur ist mir der Jean Ziegler eindeutig zu optimistisch, dass sich an dem System was ändern wird. Er meinte, die Maske des Neoliberalismus sei zu Boden gefallen und die Bösen seien jetzt endgültig bekannt. Albrecht Müller zeigte sich skeptischer und Werner-Lobo meinte, beide hätten Recht. Er konnte natürlich nicht die Finger davon lassen, die Zuseher auch gleich zum Kaufen seines neu erschienen Buches und dem selbsttätigen Handeln zu verleiten – angesichts der Brisanz und der Relevanz dieses Themas völlig berechtigt.
Die beiden Turbokapitalisten saßen gegen Ende wie „begossene Pudel“ in der Ecke und das selbstverständlich vollkommen zurecht. Meiner Meinung nach eine Sendung, die für jeden Staatsbürger Pflicht sein sollte. Aufklärungsprogramm und Bewusstseinsbildung pur!
Klaus Werner-Lobo predigte ebenfalls gegen Ende der Sendung: „Bildung, Bildung, Bildung, Bildung, Bildung…“
Ein herzliches Dankeschön für den ORF für diesen Club 2 – wenn ich auch bei meiner Ansicht bleibe, dass die Sendezeit des Formats schlichtweg eine Frechheit ist – dieser Club 2 hätte die Primetime wahrlich verdient gehabt!
Anmerkung: HerrB hat den Club 2 wie üblich sehr gut auf seinem Blog zusammengefasst.
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